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Wenn Obst dick und krank macht

Ich hätte niemals gedacht, dass Obst dick, geschweige denn krank machen könnte. Eigentlich habe ich nie besonders viel Obst gegessen und wenn, dann konnte ich auch nie viel davon essen. Ich erinnere mich, als ich als Kind einmal mit meinem Vater vom Lauftraining kam. Auf unserem Weg nach Hause sind wir immer über eine Wiese mit riesigen Kirschbäumen gegangen. Es war Sommer und die Bäume hingen voller reifer und richtig leckerer Kirschen. Mein Vater und ich kletterten auf die Bäume und aßen eine Menge Kirschen – sie waren einfach zu lecker. Ich merkte beim Essen schon, dass mein Bauch irgendwie grummelte und kaum zu Hause angekommen plagten mich heftige Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen – es tat richtig weh! Seit dieser Zeit, habe ich nie wieder so viele Kirschen gegessen.

Heute weiß ich, wer für diese heftigen Bauchkrämpfe verantwortlich war und heute bei immer mehr Menschen ist – der FRUCHTZUCKER!!!

Gesunder Zucker?

Fruchtzucker (auch Fruktose genannt) hört sich eigentlich ganz gesund an – der Zucker aus der Frucht. Eigentlich vertragen wir den Fruchtzucker auch, wenn wir unserem Körper nicht zu viel davon geben. Früher war das kein Problem, weil wir Fruchtzucker überwiegend nur über die ganzen Früchte bekommen haben. Bis zu 35 Gramm Fruchtzucker verträgt der Mensch.

Heute werden wir aber mit Fruchtzucker überschwemmt und diese große Menge kann unser Darm einfach nicht verarbeiten. Das „Zuviel“ an Fruchtzucker gelangt in den Dickdarm und verursacht dort Blähungen, Schmerzen und Entzündungen. Etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet unter der sogenannten Fruktoseunverträglichkeit oder Fruktosemalabsorption. Dabei kann es jeden treffen und oft entwickelt sich die Unverträglichkeit schleichend.


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Heißhunger und Übergewicht

Das Problem ist aber nicht nur, dass viele Betroffene nur Bauchweh bekommen. Ein Wissenschaftlerteam der Uni Innsbruck hat heraus gefunden, dass die Fruktosemalabsorption zu depressiven Verstimmungen, Übergewicht führt und Heißhungerattacken auslöst. Verantwortlich dafür sind die Entzündungen im Darm. Dadurch kann der Dünndarm den wichtigen Eiweißbaustein Tryptophan nicht mehr aus der Nahrung heraus lösen. Das hat zur Folge, dass unser Gehirn zu wenig Serotonin, was viele vielleicht auch als Glückshormon bezeichnen, produziert.

Serotonin sorgt für unser Glückgefühl und auch für unser Sättigungsgefühl. Fehlt es, dann essen wir zu viel, weil wir uns nicht satt fühlen und schlechte Stimmung vorprogrammiert. Fehlt es ständig kann das sogar zu längeren depressiven Verstimmungen führen.

Perfekt getarnt und versteckt

Fruchtzucker wird heute in immer mehr verarbeiteten Lebensmitteln eingesetzt. Und genau deshalb haben wir keine Kontrolle mehr darüber, wie viel Fruchtzucker wir essen. Außerdem steht im Zutatenverzeichnis auf der Verpackung nicht immer Fruchtzucker. Fruchtzucker hat viele Namen und ist in vielen Zutaten enthalten – deshalb erkennen wir ihn nicht sofort. Er tarnt sich z. B. als Invertzuckersirup oder Oligosaccharide und versteckt sich in verschiedenen Sirupsorten (z. B. Maissirup).

Ich persönlich meide stark verarbeitete Lebensmittel und achte generell auf das Zutatenverzeichnis. Genauso achte ich darauf Obstsorten mit viel Fruchtzucker nur in Maßen zu essen, z. B. Weintrauben, Birnen, Kirschen und auch Äpfel.

Quellen:
Fructosemalabsorption. Ledochowski M, Widner B, Fuchs D. J Ernährungsmed 2000; 2(3): 10-14.
Fructose malabsorption is associated with decreased plasma tryptophan. Ledochowski M, Widner B, Murr C, Sperner-Unterweger B, Fuchs D. Scand J Gastroenterol.  2001 Apr;36(4):367-71.

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